
Minja in der Breathe-up-Phase
Freedive Munich bei AIDA Depth Quest auf den Philippinen
Vom 20. bis 26. April 2026 fand in Mabini auf den Philippinen der Freediving-Wettkampf Depth Quest statt. Veranstaltet wurde die Competition von der Tauchbasis Lawom in einem kleinen Ort im Süden der philippinischen Hauptinsel Luzon. Was auf den ersten Blick nach tropischem Trainingslager klingt, war sportlich eines der hochkarätigsten Tieftauch-Events des Jahres: Depth Quest zählt zu den tiefsten Freediving-Competitions weltweit und brachte ein beeindruckendes internationales Athletenfeld an den Start.
Auch Freedive Munich war vertreten: Minja Marinkovic und Samuel Mauch reisten bereits Mitte März an, um sich über mehrere Wochen auf die Tiefe, die Bedingungen und den Wettkampf vorzubereiten. Denn gerade im Tieftauchen gilt: Gute Leistungen entstehen nicht in wenigen Tagen. Der Körper, der Kopf und vor allem der Druckausgleich brauchen Zeit.
Mehr als nur Wettkampf: Wochen voller Training, Austausch und Community
Für Minja lag der Fokus in der Vorbereitung vor allem auf den Disziplinen Free Immersion (FIM) und Constant Weight No Fins (CNF). Samuel konzentrierte sich hauptsächlich auf Free Immersion. Die frühe Anreise war bewusst gewählt: Wer tief tauchen möchte, braucht nicht nur Technik und Fitness, sondern auch ausreichend Zeit für Tiefenadaption.
Die Trainingsbedingungen in Mabini waren dafür nahezu ideal. Das Wasser war mit etwa 27 bis 28 Grad angenehm warm, sodass bei einzelnen Target Dives ein sehr dünner 0,3-mm-Neoprenanzug ausreichte. Strömung gab es nur an wenigen Tagen, meist abhängig vom Mondzyklus. Auch die Thermokline war selten ein größeres Thema und lag eher tief bei etwa 60 bis 80 Metern.
Ein besonderer Vorteil war die große Wettkampf- und Trainingsplattform. Sie bot deutlich mehr Platz als viele andere Setups und ermöglichte es den Athleten, sich vor dem Tauchgang ruhig vorzubereiten, auf der Yogamatte zu entspannen und den eigenen Fokus zu finden.
Auch das Safety-Setup war auf sehr höchst Niveau: Scooter-Safety, Deko-Sauerstoff und eine nahegelegene Druckkammer sorgten für professionelle Rahmenbedingungen. Gerade bei einer Competition, bei der sehr tiefe Ankündigungen getaucht werden, ist diese Infrastruktur entscheidend.
Doch was die Wochen vor Ort besonders machte, war nicht nur das Wasser. Die Stimmung innerhalb der Freediving-Community war schon während der Trainingsphase außergewöhnlich schön. Nach den Vormittagstrainings verbrachte man viel gemeinsame Zeit: beim Krafttraining, beim Analysieren von Videos und Dive Logs, beim Austausch über Equalization, Tauchstrategien und mentale Vorbereitung – oder einfach beim Erkunden der Insel mit dem Roller.
Dazu kam das, was bei einem langen Trainingsaufenthalt nicht zu unterschätzen ist: gutes Essen, gute Stimmung und ein Umfeld, in dem man sich wohlfühlt. Nach den Trainingseinheiten wurden die Athleten mit unglaublich leckerem Essen versorgt. Warmes Wasser, starke Trainingspartner, fachlicher Austausch, Community und gutes Essen – eigentlich alles, was man braucht, um persönliche Bestleistungen möglich zu machen.
Eine der tiefsten Competitions weltweit
Depth Quest war sportlich außergewöhnlich stark besetzt. Das Lineup bestand aus einigen der besten Tieftaucherinnen und Tieftaucher der Welt. Während der Competition fielen insgesamt drei neue Weltrekorde sowie zahlreiche Nationalrekorde. Unter anderem wurden von Jan Knutzen auch zwei deutsche Rekorde aufgestellt – in Free Immersion und Constant Weight Bifins.
Besonders herausragend waren die Weltrekorde von Petar Klovar aus Kroatien, der bei den Männern gleich zwei neue Bestmarken setzte: 137 Meter in Free Immersion (FIM) und 128 Meter in Constant Weight Bifins (CWTB). Bei den Damen stellte Zsófia Törőcsik aus Ungarn mit 105 Metern in Free Immersion (FIM) einen neuen Weltrekord auf.
Der Wettkampf selbst erstreckte sich über vier Wettkampftage, jeweils mit einem Ruhetag dazwischen. Dieses Format ist bei Tieftauch-Competitions besonders sinnvoll, da tiefe Tauchgänge körperlich und mental deutlich mehr Regeneration erfordern als viele Pool-Disziplinen. Jeder Start ist ein eigener Peak: Ankündigung, Vorbereitung, Bootstransfer, Plattform, Countdown, Tauchgang, Auftauchen, Protokoll – und danach die körperliche wie mentale Verarbeitung.
Starke Leistungen für Freedive Munich
Minja konnte im Wettkampf starke Leistungen abrufen. In Constant Weight No Fins erreichte er 73 Meter und sicherte sich damit in CNF den zweiten Platz. In Free Immersion tauchte er auf 98 Meter. Besonders bemerkenswert: Free Immersion konnte er technisch so weit stabilisieren, dass er die Leistung inzwischen sehr zuverlässig abrufen kann – ein wichtiger Schritt für die weitere Saison.
Für Minja hatte der Wettkampf auf den Philippinen auch persönlich einen besonderen Stellenwert. Er war bereits zum zweiten Mal vor Ort und hatte dort im vergangenen Jahr seine 100-Meter-Tauchgänge absolviert. Depth Quest war für ihn der erste große Saisonhöhepunkt. Der nächste große Peak wird die Weltmeisterschaft in Zypern, dazwischen stehen noch kleinere Wettkämpfe an.
Samuel erreichte in Free Immersion eine Tiefe von 74 Metern. Für ihn war das nicht nur ein solides Wettkampfergebnis, sondern ein deutlicher Entwicklungsschritt: Im Vergleich zur Vorsaison bedeutete diese Leistung einen Sprung von 17 Metern. Nach mehreren Wochen intensivem Kraft- und Pooltraining, Tiefenadaption und vielen Trainingstauchgängen war dieser Dive ein sichtbares Zeichen dafür, wie viel sich durch konsequentes Training, Geduld und mentale Arbeit entwickeln kann.
Wenn das Meer mittrainiert
So gut die Bedingungen auf den Philippinen auch sein können, sie bleiben ein natürliches Umfeld. Und das bedeutet: Nicht alles ist kontrollierbar.
Ein Thema, an das Samuel sich in der Vorbereitung erst gewöhnen musste, waren Quallen. Im Starnberger See begegnet man beim Freefall normalerweise keinen Quallen. In Mabini konnte es dagegen passieren, dass man im Abtauchen plötzlich mit dem Kopf gegen eine Qualle stieß oder beim Hochziehen an der Leine in Tentakel griff. Der erste Reflex ist Anspannung oder Erschrecken – genau das, was man eigentlich vermeiden möchte.
Mit der Zeit wurde daraus ein Training für den Kopf: Auch wenn etwas brennt, unangenehm ist oder überraschend kommt, muss ein Tauchgang nicht mental „abbrechen“. Nicht jede unerwartete Situation muss automatisch Stress bedeuten.
Auch Minja nahm aus den wechselnden Bedingungen viel mit. Warmes Wasser, gute Sicht und wenig Strömung können ideale Voraussetzungen schaffen. Gleichzeitig machen gerade Strömung, Thermoklinen oder kleine Unvorhersehbarkeiten langfristig zu besseren Tauchern. Man lernt, stabiler zu werden und Leistung nicht nur unter perfekten Bedingungen abrufen zu können.
Fortschritt verläuft nicht linear
Ein zentrales Learning für beide war: Tieftauchen braucht Zeit und Geduld.
In Pool-Disziplinen lassen sich Fortschritte manchmal schneller planen und reproduzieren. Im Tieftauchen ist das anders. Tiefe, Druck, Entspannung, Equalization, mentale Belastung, Tagesform und Regeneration greifen unmittelbar ineinander. Wenn körperlich oder mental nicht alles passt, merkt man das sehr direkt.
Samuel erlebte in der Vorbereitung zunächst schnelle Fortschritte und war relativ bald wieder tiefer als bei seinen Wettkämpfen im Vorjahr. Danach kam jedoch auch eine Phase der Stagnation. Gerade dann wird deutlich, wie stark Erwartungen den eigenen Tauchgang beeinflussen können. Sobald man beginnt, eine bestimmte Leistung von sich zu erwarten, verändert sich oft die Herangehensweise.
Manchmal hilft dann nicht mehr Druck, sondern ein Schritt zurück: mehr Drills, spielerisches Training, FRC- oder RV-Dives, ein Disziplinwechsel oder Input von außen. Häufig löst genau das den Knoten.
Auch Minja beschreibt Fortschritt im Tieftauchen als selten linear. Man stößt an Wände, arbeitet an kleinen Details, und irgendwann macht es plötzlich Klick. Gerade in solchen Phasen ist Feedback von erfahrenen Personen wertvoll, weil sie Muster erkennen und die nächsten sinnvollen Schritte oft nüchterner einordnen können.
Equalization: Technik, Timing und Loslassen
Ein großes Thema im Tieftauchen bleibt der Druckausgleich. Für Samuel war Equalization im vergangenen Jahr häufig das größte Limit. Das trockene EQ-Training hatte in der Vorbereitung deutlich geholfen. Gleichzeitig wurde aber klar: Tiefe lässt sich nicht vollständig simulieren.
Ein FRC-Dive oder RV-Dive mit Surface Mouthfill ist ein wertvoller Trainingsbaustein, aber nicht dasselbe wie die tatsächliche Empfindung in großer Tiefe. Dry-Training hilft enorm, einzelne Elemente zu verbessern. Am Ende müssen jedoch alle Puzzleteile zusammenkommen – und dafür braucht es viele tiefe Tauchgänge und Zeit.
Auch Minja nahm mit: Equalization ist nicht nur Technik. Wenn der Druckausgleich limitiert, hängt das oft auch mit Entspannung, Körperspannung, mentalem Loslassen und Timing zusammen. Gerade im tiefen Bereich entscheidet nicht nur, ob man eine Technik verstanden hat, sondern ob man sie unter Druck entspannt und stabil abrufen kann.
Mentale Resilienz auf der Plattform
Neben körperlicher Vorbereitung zeigte Depth Quest vor allem, wie wichtig mentale Resilienz im Wettkampf ist. Für Samuel war das vielleicht eines der größten Learnings.
Zweimal kam es vor, dass sein Start nach mehreren Delays letztendlich komplett gecancelt wurde. Zu diesem Zeitpunkt ist man bereits auf der Plattform, vorbereitet, fokussiert und mental voll auf den Tauchgang eingestellt. Wenn der Start dann erst um etwa eine halbe Stunde verschoben und am Ende ganz abgesagt wird, ist das mental extrem anspruchsvoll.
Man bereitet sich den ganzen Tag auf diesen einen Moment vor. Der komplette Fokus liegt auf dem Dive – und plötzlich darf man nicht an die Leine. Solche Situationen zeigen, wie wichtig es ist, mit Enttäuschung und veränderten Rahmenbedingungen umgehen zu können, ohne langfristig aus dem Konzept zu geraten.
Zur mentalen Resilienz gehört auch, mit dem umzugehen, was um einen herum passiert. In einem Wettkampf kann es vorkommen, dass der Taucher vor einem einen Blackout hat. Das löst Emotionen aus: Sorge, Unsicherheit, Nervosität, vielleicht auch Angst. Und trotzdem muss man lernen, diese Emotionen wahrzunehmen, ohne sich komplett von ihnen mitreißen zu lassen.
Wahrscheinlich ist genau das eine der Fähigkeiten, die Top-Athleten besonders gut beherrschen: ruhig bleiben, obwohl um einen herum nicht immer alles ruhig ist.
Weniger Routinen, mehr Ruhe
Ein weiteres Learning für Samuel war, vor dem Tauchgang möglichst viele Routinen zu reduzieren. Im Vorjahr gehörten Yoga oder zwei Warm-up-Dives noch fest zur Vorbereitung. Dieses Mal funktionierte ein deutlich einfacherer Ablauf besser: etwa 25 Minuten vor dem Dive auf die Matte, entspannen, fokussieren und dann direkt tauchen.
Gerade an Wettkampftagen läuft selten alles perfekt. Das Boot kann sich verspäten, Starts können verschoben werden, Bedingungen können sich ändern. Je mehr feste Routinen man braucht, desto mehr kann aus dem Gleichgewicht geraten, wenn eine davon nicht funktioniert. Weniger Routinen bedeuteten in diesem Fall weniger potenzielle Fehlerquellen – und dadurch mehr Ruhe.
Fokus setzen: Man kann nicht alles gleichzeitig trainieren
Auch für Minja wurde in der Vorbereitung deutlich, wie wichtig Fokus im Training ist. Man kann nicht alle Disziplinen gleichzeitig maximal entwickeln. Wenn man versucht, überall parallel besser zu werden, verschiebt sich der Fokus schnell – und nichts wird wirklich konsequent aufgebaut.
Gegen Ende der Trainingsphase rückte bei ihm wieder mehr No-Fin in den Vordergrund. Dabei wurde klar, dass in dieser Disziplin noch viel Potenzial liegt und sie in der laufenden Saison wieder stärker in den Fokus rücken soll. Ein Fokuswechsel kann auch mental hilfreich sein: Er bringt neue Reize, verhindert ein zu starkes Verkopfen in einer Disziplin und kann neue Motivation schaffen.
Gleichzeitig spielte bei Minja die Gesamtbelastung eine wichtige Rolle. Parallel zu Training und Wettkampf lief eine intensive Phase seiner Dissertation. Er konnte trotzdem viel abrufen, merkte aber auch deutlich: Tieftauchen braucht mentale Frische und echte Regeneration.
Ambition, Demut und Freude am Prozess
Am Ende war Depth Quest für Freedive Munich ein intensiver, erfolgreicher und lehrreicher Saisonstart. Minja stand mit 73 Metern CNF auf dem Podium und tauchte starke 98 Meter FIM. Samuel erreichte 74 Meter FIM und verbesserte sich damit um 17 Meter im Vergleich zur Vorsaison.
Für beide zeigte sich einmal mehr: Tieftauchen ist so viel mehr als Zahlen. Natürlich geht es im Wettkampf um Tiefen, Leistungen und Platzierungen. Aber die besten Tauchgänge entstehen oft dann, wenn neben Ambition auch Leichtigkeit, Demut und Freude am Prozess da sind.
Die Wochen auf den Philippinen waren deshalb nicht nur eine sportliche Vorbereitung, sondern auch eine Erinnerung daran, warum Freediving so faszinierend ist: das Zusammenspiel aus Körper und Kopf, die Ruhe vor dem Tauchgang, die Community, das Lernen voneinander, das Meer und die Suche nach Balance.
Depth Quest 2026 war für die beiden Freedive Munich Athleten ein starker Start in die Tieftauch-Saison. Mit vielen Erfahrungen, neuen Erkenntnissen und großer Motivation geht der Blick nun nach vorn – zu den nächsten Wettkämpfen, weiteren Trainingsphasen und zur Weltmeisterschaft in Zypern.
Samuel Mauch
Wettkampfberichte
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Am 27. März fand der AIDA Serbian Open Freediving Championship in Belgrad statt. Ein Freedive Munich Mitglied - Peter Durdik war am Start.




















